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Klimawandel

Von Anpassung, Risikominimierung und Flexibilität

Klimawandel, Klimafolgen, Klimaanpassung – Wenn Forschung in praktische Umsetzung mündet

Der globale Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme der Mensch­heit. Die Erforschung seiner Ursachen beschäftigt Wissenschaftler in aller Welt, ebenso wie die Frage, wie mit seinen Folgen umgegangen werden kann.

Nach jetzigem Kenntnisstand wird der fortschreitende Klimawandel zu mehr Extremwetterereignissen überall auf der Welt führen. Lang andauernde Hitzeperioden oder Starkniederschläge werden in vielen Regionen der Welt zunehmen. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Sonderberichts „Management des Risikos von Extremereignissen und Katastrophen zur Förderung der Anpassung an den Klimawandel" des Weltklimarats IPCC vom November 2011.

Die andere Erkenntnis ist, dass sich der Klimawandel nicht kurzfristig aufhalten lässt. Darüber hinaus sind die Strategien, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, sich an verändernde Bedingungen anzupassen und die Vorbereitung von Maßnahmen zum Schutz gegen mögliche Folgen bislang weltweit unzureichend.

Südafrika ist eines der Länder, das bereits heute akut unter dem Klimawandel leidet: Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen sind in den letzten Jahren merklich häufiger geworden. Insgesamt ist Afrika zwar der Kontinent mit den geringsten Schadstoffemissionen, der Klimawandel droht ihn jedoch besonders hart zu treffen. Insbesondere im südlichen Afrika sind die klimabedingten Auswirkungen im Vergleich zu anderen Regionen der Welt teilweise deutlich früher und intensiver zu beobachten, da hier die Wechselwirkungen zwischen Klimaänderungen und anthropogen bedingten Umwelteinflüssen wie Brandrodung und Überfischung besonders stark sind.

Die Fragen, welche Klimaveränderungen wahrscheinlich sind, mit welchen Folgen beispielsweise für Landnutzung und Wassermanagement zu rechnen ist und welche Lösungsstrategien zur Verfügung stehen, stellen sich daher immer dringlicher.

Deshalb gehören die Erforschung des Klimawandels, seiner Ursachen und Auswirkungen ebenso wie die Frage der Anpassung an klimatisch veränderte Bedingungen und des Risiko­managements zu den wichtigsten Schwerpunkten der gemeinsamen deutsch-südafrikanischen Forschungsarbeit. Themen wie geschlossene Ökosysteme, Umgang mit Wasserressourcen, Veränderung der Böden und Effekte der landwirtschaftlichen Intensivnutzung sind dabei von besonderer Relevanz. Je mehr Informationen hierzu herangezogen werden, je mehr unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden, desto erfolgreicher kann die Wissenschaft helfen, auf das Szenario des Klimawandels zu reagieren.

Eines ist dabei klar: Risiken durch künftige Extremereignisse müssen vorrangig dort, wo sie auftreten, auf regionaler und lokaler Ebene vermieden werden. Hierfür jedoch müssen auf internationaler Ebene die Voraussetzungen geschaffen werden: durch Forschung, intensiven Austausch von Know-how und Technologietransfer.

Ein aktuelles Forschungsprogramm, das in diesem Jahr vom BMBF initiiert wird und das sich dem Thema Klimaanpassung widmet, ist SPACES. Im Rahmen dieses Projektes werden unter anderem die klimarelevanten Aspekte von Bodenerosion und Trockenheit untersucht, das Zusammenwirken von klimabedingten und menschengemachten Einflüssen analysiert sowie die Veränderungen von ozeanischen Strömungen und deren Auswirkungen auf das Klima beobachtet und erfasst. Insbesondere aus der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Geosphäre (dem festen Erdkörper), Kryosphäre (der Eismassen), der Hydrosphäre (dem flüssigen Wasser) und der Biosphäre (der Flora und Fauna) sollen letztendlich Erkenntnisse gewonnen werden, um auf deren Basis konkrete Empfehlungen an die politischen Entscheidungsträger zu erstellen.

Die Umsetzung von SPACES erfolgt im Rahmen von Kooperationsprojekten, an denen Wissenschaftler aus deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie entsprechende Partnereinrichtungen in Südafrika sowie Namibia mitwirken. Das SPACES-Programm wird durch ein Stipendienprogramm begleitet, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in enger Abstimmung mit den im SPACES-Programm involvierten Wissenschaftlern koordiniert werden soll.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die weitere Untersuchung der Ursachen des Klimawandels im Rahmen der gemeinsamen Meeres- und Polarforschung. Hier sind es insbesondere die Polregionen, die sogenannten Klimakammern der Erde, die wichtige Informationen über klimatische Veränderungen liefern. Denn immer noch fehlen mathematische Modelle, um vorhandene Klimadaten zuverlässig interpretieren zu können. Die Gewinnung weiterer und besserer Daten ist für das Verständnis des Klimas deswegen von großer Bedeutung.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit in Reaktion auf die Herausforderungen des globalen Klimawandels ist das Projekt Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management – kurz SASSCAL. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Länder Angola, Botswana, Namibia, Südafrika, Sambia und Deutschland, deren Ziel es ist, durch die Errichtung regionaler Kompetenzzentren für Klimawandel die Forschungsinfrastruktur in Afrika langfristig auszubauen.

Im Rahmen der Forschungsinitiative „CLIENT – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen“ arbeiten deutsche Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen mit Partnern in Südafrika in den Bereichen Klimaschutz, Ressourcennutzung sowie Land- und Wassermanagement zusammen. Ziel der langfristigen Kooperationen ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, die Belastung von Luft, Wasser und Boden zu reduzieren sowie Energie, Rohstoffe und Flächen effizient zu nutzen.

Mit dem Förderprojekt Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) soll durch gemeinsame Forschung der Auf- und Ausbau einer nachhaltigen Wasser- und Abwasserinfrastruktur in trockenen Regionen wie Südafrika verbessert werden. Gemeinsam mit südafrikanischen Partnern werden z. B. deutsche Wassertechnologien an die klimatischen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse in Südafrika angepasst sowie integrierte Planungsinstrumente für eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen entwickelt.

Gemeinsam ist diesen Forschungsprojekten, dass nur durch ein besseres Verständnis des „Systems Erde“ einerseits und durch die Entwicklung von Strategien zur Anpassung an klimatisch veränderte Bedingungen andererseits das Ziel erreicht werden kann. Und dieses Ziel lautet, zukünftige Entwicklungen des Klimas besser abschätzen und frühzeitig wirksame Maßnahmen zur Risikominderung ergreifen zu können.