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Forschungspartnerschaften stärken für Innovation und nachhaltige Entwicklung

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Interview Dr. Heidi Wedel

Interview mit Dr. Heidi Wedel

Dr. Heidi Wedel ist Leiterin der Geschäftsstelle der Global Young Academy (GYA) an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist Doktor der Politikwissenschaften und hat als ehemalige Referatsleiterin im Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD langjährige Erfahrung im internationalen Wissenschaftsmanagement. Im Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahr hat sie auf der deutschen Seite die Organisation der „Internationalen Konferenz der Global Young Academy zum Thema Nachhaltigkeit“ in Südafrika geleitet.

  1. Wie engagiert sich die Global Young Academy (GYA) im Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft?

    Die Global Young Academy (GYA) stellte ihre Jahrestagung 2012 in Südafrika zum Thema „Sustainability: Lessons on the Road between Rio and Rio+20)“, die in Kooperation mit der South African Young Academy of Science (SAYAS) organisiert wurde, unter das Dach des Wissenschaftsjahres. Die Förderung erlaubte es der GYA, mehr junge deutsche Wissenschaftler(innen) nach Südafrika einzuladen, darunter neben GYA-Mitgliedern auch Vertreterinnen von anderen deutschen Akademien. Bei der Tagung konnten diese jungen Wissenschaftler(innen) aus Deutschland vielfältige Kontakte mit Kolleg(inn)en aus Südafrika knüpfen. Die Kulturmittler AvH und DAAD sowie die Deutsche Botschaft und das Südafrikanische Wissenschaftsministerium präsentierten während der Tagung Möglichkeiten der Förderung von wissenschaftlichem Austausch und Kooperation zwischen den beiden Ländern. Mit dem anschließenden Outreach-Programm vermittelte die GYA den Wissenschaftler(innen) aus Deutschland den Besuch von südafrikanische Fachinstituten sowie von Schulen.

    Darüber hinaus bereitet die GYA zusammen mit den zwei jungen Akademien Die Junge Akademie und SAYAS sowie den beiden nationalen Akademien Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Academy of Science of South Africa (ASSAf) ein „Symposium junger WissenschaftlerInnen zum Thema Nachhaltigkeit“ vor, an dem auch GYA-Mitglieder beider Länder sowie einige ausgewählte Fachleute aus Drittländern teilnehmen werden. Die Ergebnisse sollen einem breiten deutschen Publikum vorgestellt und in einer gemeinsamen Publikation veröffentlicht werden. Anschließend ist ein Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten jungen Akademien vorgesehen.

  2. Welche Erwartungen haben Sie an das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013?

    Das Wissenschaftsjahr ist ein wunderbares Instrument, um den Wissenschaftsstandort Deutschland in Südafrika zu präsentieren und dadurch neue exzellente Partner zu gewinnen sowie – aus meiner Sicht noch wichtiger –  die Stärken und Potenziale von Wissenschaft in Südafrika in Deutschland bekannt zu machen und deutsche WissenschaftlerInnen für die Kooperation mit südafrikanischen KollegInnen und Instituten zu interessieren und zu gewinnen. Deutsch-südafrikanische Kooperation kann eine Brücke zur Kooperation mit dem südafrikanischen Raum spielen und dessen Entwicklung vorantreiben.

  3. Was wollen Sie mit Ihrem vom BMBF geförderten Projekt "Sustainability – Lessons on the road between Rio and Rio+20" im DSAWJ erreichen?

    Indem die GYA 2012 ihre Jahrestagung in Südafrika abgehalten und dabei mit der südafrikanischen jungen Akademie SAYAS kooperiert hat, sollte diese erst 2011 gegründete Akademie gestärkt werden. Schon der Aufbau von SAYAS war von der GYA unter Federführung des südafrikanischen GYA Co-Chairs Prof. Bernard Slippers sehr unterstützt worden. Die Tagungskooperation bot SAYAS zu einem sehr frühen Zeitpunkt beste internationale Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten sowie viel Prominenz. Die Tagung hat auch dazu geführt, dass die Rolle und die Potenziale von SAYAS jetzt noch stärker vom südafrikanischen Wissenschaftsministerium wahrgenommen werden.

    Durch die BMBF-Förderung konnten sieben junge deutsche Wissenschaftler(innen) von der GYA, der Jungen Akademie und der Sächsischen Akademie nach Südafrika reisen, sich auf der Tagung mit jungen südafrikanischen KollegInnen, die Mitglieder von GYA und/oder SAYAS sind, sowie arrivierten WissenschaftlerInnen von der Academy of Science of South Africa (ASSAf) austauschen und von hochkarätigen GastrednerInnen inspirierende Festvorträge zu Wissenschaft und Entwicklung in Südafrika von der südafrikanischen Wissenschaftsministerin Naledi Pandor sowie zu paläontologischer Forschung auf Weltniveau von Prof. Lee Berger hören. All dies sollte verstärkt durch das anschließende Besuchsprogramm dazu beitragen, neue wissenschaftliche Kooperationen zwischen jungen Wissenschaftler(innen) aus Deutschland und Südafrika anzuregen.

    Diskussionen zum Rahmenthema der Tagung, "Sustainability – Lessons on the road between Rio and Rio+20", förderten nicht nur den inhaltlichen Austausch zwischen den Teilnehmern. Darüber hinaus wurde eine Erklärung erarbeitet, mit der die wissenschaftliche Gemeinschaft zu folgenden drei konkreten Maßnahmen aufgerufen wird: Erstens sollen Wissenschaftler(innen) in einen Dialog mit Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit treten. Zweitens soll die wissenschaftliche Gemeinschaft Barrieren abbauen, die diesen Dialog mit der Öffentlichkeit behindern, z. B. bei der Bewertung von wissenschaftlichen Leistungen. Drittens sollen die Wissenschaftler(innen) die wissenschaftliche Literatur zum Thema Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit stärker und verständlicher bekannt machen. Die Sandton Erklärung wurde bei der Rio+20-Gruppe eingereicht und veröffentlicht.

  4. Jüngst haben Sie in Johannesburg eine internationale Konferenz mit deutschen und südafrikanischen Nachwuchswissenschaftlern abgehalten. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Kooperation mit Südafrika?

    Als globale Akademie junger Wissenschaftler(innen) kooperiert GYA vor allem mit nationalen jungen Akademien. Die Tagung in Johannesburg wurde gemeinsam mit SAYAS organisiert. Alle SAYAS Mitglieder waren zu der Tagung eingeladen, wodurch sich vielfältige Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und Kooperation ergaben. Auf der institutionellen Ebene werden die Kontakte mit SAYAS bei dem zusammen mit der Jungen Akademie geplanten Symposium ausgebaut, an das sich eine Beratung über die Entwicklung junger Akademien anschließen wird. Bei der Tagung fand zudem ein erster Austausch unter Vertreter(innen) von jungen Akademien weltweit statt, der mit einem Workshop in Amsterdam zu „Shaping the Future of Young Academies“ vertieft werden wird. Als Folgemaßnahmen sind regionale Treffen angedacht, wobei Südafrika als erste Nationale Junge Akademie im südafrikanischen Raum eine Vorreiterrolle zukommt. Wenn sich SAYAS konsolidiert hat, könnte die deutsch-südafrikanische Kooperation dazu beitragen, die Entwicklung nationaler junger Akademien in diesem Raum zu stärken.

    Fachlicher Austausch ist in der GYA, die wissenschaftspolitisch ausgerichtet ist, ein erwünschter Nebeneffekt und erwächst aus den Interessensgebieten der Mitgliedern, ihrem starken Interesse für interdisziplinäre Kooperation und ihrem Ziel, einem Beitrag zu Entwicklung der Gesellschaften zu leisten. In Südafrika tauschten sich deutsche und südafrikanische Tagungsteilnehmer(innen) z.B. in den Gebieten Kinderernährung sowie Trinkwasserqualität und Gesundheit aus.

    Ein besonderer Schwerpunkt in der GYA-Kooperation mit Südafrika liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Schulen. Hier geht es darum, in der Begegnung zwischen Schüler(inne)n und Wissenschaftler(innen) Ängste abzubauen und durch spannende Präsentationen Interesse am Forschen und an der Wissenschaft, speziell an den Naturwissenschaften, zu wecken sowie Schüler(innen) zum Studium und wissenschaftlichen Laufbahnen zu ermutigen. Deutsche Tagungsteilnehmer(innen) besuchten Schulen und das Sci-Bono Discovery Center, wo sie vor allem Schüler(innen) aus benachteiligten Gegenden mit wissenschaftlichen Methoden vertraut machten. Eine Gruppe testete an einer Schule am Rande des größten Township Alexandra das Wissenschaftsspiel Expedition Moondus, das von der Dutch Young Academy entwickelt und bei der GYA Tagung für den Einsatz in anderen Ländern ins Englische überbesetzt worden war. Der Enthusiasmus der teilnehmenden Kinder zeigte, dass dieses Spiel, das Kindern Wissenschaften näher bringen soll, auch mit nicht-westlichen Traditionen kompatibel ist. Falls sie die nötige Unterstützung bekommt, möchte die GYA das Spiel in alle offiziellen südafrikanischen Sprachen übersetzen lassen und es an südafrikanischen Schulen verbreiten. Ein deutsches GYA Mitglied nimmt sich außerdem der Übersetzung ins Deutsche an.

  5. Was sind wichtige Aspekte zur Förderung der internationalen Vernetzung von Wissenschaftlern?

    Wichtige Aspekte internationaler Vernetzung sind m.E. institutioneller Rahmen und Plattformen der Kooperation, die Ziele der Kooperation und natürlich die Zielgruppen.
    Für Vernetzung gibt es heute viele elektronische Medien und Foren, die einen virtuellen Austausch ermöglichen und erleichtern. Trotzdem bleibt persönliche Begegnung ein unverzichtbares Element, da sie das nötige Vertrauen zu und Interesse aneinander herstellt und tiefergehenden Austausch ermöglicht. Virtuelle Vernetzungsformen spielen eine wichtige Rolle bei der Vor-, Nach- und Aufarbeitung und für die Fortführung der Kooperation in den Phasen zwischen den persönlichen Treffen.

    Ich halte es für zentral, die wissenschaftliche Elite der Zukunft stärker in die internationale wissenschaftliche Vernetzung einzubeziehen und junge Wissenschaftler(innen) zu Beginn ihrer unabhängigen Laufbahn mit ihrem äußerst kreativen Potenzial bei der Vernetzung zu helfen. Die GYA, die sich als Stimme junger Wissenschaftler weltweit versteht, bietet dafür einen institutionellen Rahmen.

    Wissenschaftliche Vernetzung kann nur dann mit Leben und Aktivitäten gefüllt werden, wenn die Beteiligten, für die Zeit eine der knappsten Ressourcen ist, darin einen Sinn erkennen – für sich selbst, ihre wissenschaftliche Forschung oder für idealistische Ziele, die sie verfolgen. Internationale Kooperation leistet einen erheblichen wissenschaftlichen Beitrag, wenn sie unterschiedliche Blickwinkel auf einen Forschungsgegenstand in einen Austausch bringt und in der Synthese völlig neue Fragen, Perspektiven, Interpretationen, Erkenntnisse hervorbringt. Internationale Vernetzung kann auch dazu dienlich sein, der eigenen Gruppe mehr Gehör zu verschaffen und ihrer Position im Wissenschaftsleben mehr Gewicht zu verleihen. Aus Sicht der GYA Mitglieder soll internationale Vernetzung auch die Unterschiede zwischen der entwickelten und der weniger entwickelten Welt abbauen helfen und exzellenten Wissenschaftler(innen) in Entwicklungsländern bessere Forschungs- und Wirkungsmöglichkeiten verschaffen. Schließlich sollte Vernetzung unserer Meinung nach in die Gesellschaften ausstrahlen, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln, junge Leute für die Wissenschaft gewinnen, Politik beraten und zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen.