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Event calendar for the month: Mai 2017

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Botschafterin des Wissenschaftsjahres

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Bioökonomie

Nachwachsende Rohstoffe aus der Natur

Rohstoffe unserer Zukunft

Wie können wir mit moderner Landwirtschaft mehr Menschen ernähren? Wie die Versorgung mit Grundstoffen auf nachhaltige Weise sichern? Und wie können wir unsere Abhängigkeit von fossilen Ausgangsmaterialien dauerhaft verringern?

Antworten auf diese Fragen werden in der Bioökonomie gesucht, einem der herausforderndsten und komplexesten Forschungsfelder unserer Zeit. Bioökonomie ist ein Oberbegriff für die wirtschaftliche Nutzung biologischer Ressourcen. Sie umfasst Themenfelder, die im englischen Sprachgebrauch als die vier „F“ bezeichnet werden: Food, Feed, Fibre und Fuel  – also die Erzeugung von Lebensmitteln, Futtermitteln, von nachwachsenden Rohstoffen sowie die Erzeugung von Biokraftstoffen. Genau genommen jedoch umfasst Bioökonomie alle Sektoren, die biologische Ressourcen produzieren, verarbeiten oder in irgendeiner Form nutzen.

Während die Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln einer langfristig sicheren Versorgung der Weltbevölkerung mit Lebensmitteln dient, geht es bei der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen um die Schonung unserer begrenzten Ressourcen und um die Lösung aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, insbesondere vom Erdöl.

So gibt es im Moment vom kleinsten Plastikzubehör bis zum Medikament kaum Produkte, kaum Verarbeitungsmethoden, die ohne Erdölprodukte auskommen, vom Transport ganz abgesehen. Die weltweiten Vorräte an Erdöl aber sind inzwischen knapp geworden. Das bedeutet, dass erdölbasierte Produkte und Verfahren immer teurer werden – und für viele Drittwelt- und Schwellenländer nicht mehr bezahlbar sind. Hinzu kommt die Belastung der Atmosphäre durch den Ausstoß von CO2, der mit der Nutzung fossiler Rohstoffe einhergeht. Erdöl nachhaltig durch andere, biologisch produzierte Rohstoffe zu ersetzen, ist deshalb mehr als eine Option. Es ist eine Notwendigkeit, bei der es nicht um das Ob geht, sondern um das Wie und Wann.

Ebenso dringend ist die Frage, wie die ständig wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann – und zwar mit gesunden Lebensmitteln und ohne Raubbau an der Natur zu betreiben. Das gelingt uns bis heute nicht und wird mit zunehmendem Bevölkerungswachstum nicht einfacher.

Bioökonomie sucht nach Lösungen für diese Herausforderungen. Das macht sie zu einem der für die Zukunft der Menschheit wichtigsten Forschungsgebiete der Gegenwart. Konkrete Forschungsgegenstände sind beispielsweise: neuartige Landnutzungssysteme, moderne Landbau- und Erntetechnologien – mit denen in der Landwirtschaft höhere Biomasseerträge erzielt werden können, die Entwicklung von Pflanzen, die als industrielle Rohstoffe einsetzbar sind und Erdölprodukte ersetzen können, Kraftstoffe aus Biomasse oder die Herstellung von biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Dahinter steht die Vision einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft, die die Welt nicht nur ernährt, sondern auch mit hochwertigen Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen versorgt.

„Im Ergebnis müssen ökonomische Wertschöpfung und der pflegliche Umgang mit Ressourcen, mit Wasser, Boden, Luft und Biodiversität miteinander in Einklang gebracht werden. Bioökonomie bedeutet nicht weniger als Technologie, Ökonomie, Ökologie und soziokulturelle Anforderungen unter einem Dach zu vereinen“, so Prof. Reinhard Hüttl, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und Vorsitzender des Bioökonomierats der Bundesregierung.

Die Forschungsstrategie der Bundesregierung setzt dabei vorrangig auf fünf Handlungsfelder: weltweite Ernährungssicherheit, nachhaltige Agrarproduktion, gesunde und sichere Lebensmittel, die industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie die Produktion und den Einsatz von Energieträgern auf Basis von Biomasse.

Auch in Südafrika wird der Bioökonomie große Bedeutung beigemessen: „Auf dem Weg zu einer wissensbasierten Wirtschaft sehen wir in der Förderung der Bioökonomie enorme Potenziale. Die Bioökonomie genießt deshalb im Rahmen unserer Strategie für Wissenschaft und Forschung höchste Priorität. Auf Grund unserer reichen Biodiversität und begleitet durch unsere Forschungsförderung haben wir gute Chancen, in diesem Bereich innerhalb der nächsten zehn Jahre zu den führenden Nationen zu gehören,“ so Naledi Pandor, die ehemalige südafrikanische Ministerin für Wissenschaft und Technologie.

Natürlich kann es zwischen diesen Vorhaben zu Zielkonflikten kommen, zum Beispiel bei der Frage, ob eine landwirtschaftliche Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln oder Biotreibstoffen verwendet werden soll. Um solche Zielkonflikte aufzulösen, sind ganzheitliche Ansätze gefordert, die ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Belange gleichermaßen berücksichtigen, wobei die Ernährungssicherheit stets Vorrang vor anderen Nutzungen genießen sollte.

Gleichzeitig liegt auf der Hand, dass es in diesem Bereich keine Patentrezepte gibt, die überall gleichermaßen gültig sind. So ungleich die biologischen aber auch die ökonomischen und sozialen Ausgangspositionen und Voraussetzungen in verschiedenen Teilen der Erde sind, so unterschiedlich müssen die Herangehensweisen sein.

Eine solche Aufgabe benötigt deshalb in besonderem Maße die Nutzung interdisziplinärer Kompetenzen, einen auf Kooperation basierenden Technologietransfer und eine intensive internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südafrika bietet hier Chancen, Innovationspotentiale für biobasierte Produkte und Verfahren zu erschließen, vorhandenes Know-how zu teilen und Spitzentechnologien weltweit zu verbreiten.