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Astronomie

Interview Professor Steinmetz

Das Kurzinterview: Fünf Fragen an Professor Matthias Steinmetz

Professor Matthias Steinmetz ist ein deutscher Astrophysiker. Er ist Wissenschaftlicher Vorstand des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam und Professor an der Universität Potsdam. Professor Steinmetz ist international anerkannter Experte für Kosmologie, Galaxienentstehung und Computational Astrophysics. In Potsdam leitet er den Forschungsbereich „Extragalaktische Astrophysik und Kosmologie“.

  1. Was ist für Sie die Faszination am Forschungsgebiet Astronomie?

    Ich glaube, Einstein hat die Faszination richtig zusammengefasst mit dem Bonmot, dass das eigentlich Unbegreifbare am Universum sei, dass es begreifbar sei. Die Tatsache, dass wir mit den sehr limitierten Zeiträumen und Längenskalen, die uns auf der Erde empirisch zur Verfügung stehen, das Universum in seiner ganzen uns zugänglichen Größe nicht nur erfassen, sondern sogar soweit sortieren können, dass wir die Grundmechanismen erkennen, nach denen der Kosmos funktioniert, ist atemberaubend. Dazu kommt natürlich die unglaubliche Ästhetik der Bilder, die wir mit den modernen Großteleskopen aufnehmen können.

  2. Was ist die erste Frage, die Ihnen Menschen stellen, wenn Sie sagen, Sie seien Astronom?

    Es gibt dazu eine schöne Anekdote: Was sagt man auf einem Langstreckenflug, wenn einen der Sitznachbar nach seinem Beruf fragt? Will man schlafen, sagt man Physiker, will man sich die nächsten acht Stunden unterhalten sagt man Astronom. Auch wenn sich die erste Frage oft um schwarze Löcher, dunkle Materie und Leben auf anderen Planeten dreht, eine Standardfrage gibt es nicht. Sehr wohl aber ein immenses Interesse an den Themen, und die oben zitierte Flugzeugdiskussion endet oft in einer astronomischen Gesamtschau.

  3. Betrachtet man das alltägliche Leben anders, wenn man gewohnt ist, sich mit Dingen zu beschäftigen die Milliarden Jahre zurück liegen, wie der Urknall, oder mit Galaxien, die in unvorstellbaren Entfernungen von uns liegen?

    Ich denke schon, dass man als Astronom sich (persönlich wie auch die Menschheit bzw. die Dinge auf der Erde) tendenziell weniger wichtig nimmt. Die blaue Oase inmitten des schwarzen Nichts, das Bild, das die Apollo-Missionen von der Erde überliefert haben, standen ja auch mit am Anfang des Umdenkens der Menschen hin zu einer verträglicheren, nachhaltigen Koexistenz mit der Natur. Aber dieses Anderssehen hat doch enge Grenzen. Für ein frisch verliebtes Astronomen-Paar ist allerdings der Nachthimmel genauso romantisch wie für Nicht-Astronomen.

  4. Wird Einsteins Relativitätstheorie auch in 20 Jahren noch Bestand haben?

    Auf jeden Fall, so wie ja heute die Newtonsche Theorie nach wie vor Bestand hat. Eventuell müssen wir auf Grund bestimmter Extremsituationen Ergänzungen einführen, oder eine gelungene Vereinheitlichung mit der Quantentheorie ergibt neue Aspekte. Der Grundkern wird aber weiter Bestand haben, entweder aus eigener Kraft oder zumindest als sehr gute, mathematisch handhabbare Näherung.

  5. Welche Erkenntnisse ‚“für die Menschheit“ erhoffen Sie sich von der Astronomie in den nächsten 25 Jahren?

    Ich sehe dabei prinzipiell zwei Aspekte, das eine ist die Beantwortung der Frage, woraus der Kosmos besteht, als Grundlage unseres wissenschaftlichen Weltmodells. Der jetzige Zustand, dass 95 Prozent aus einer ominösen dunklen Materie und dunkler Energie bestehen, ist für den Anspruch des Naturwissenschaftlers eine Zumutung. Das andere große Thema ist die Frage, ob es Leben – auch in einfachster Form – auf anderen extrasolaren Planeten gibt. Der eventuelle Nachweis, dass wir nicht allein im Kosmos sind, hätte durchgreifende Konsequenzen für das soziale, kulturelle und religiös-philosophische Selbstverständnis des Menschen.


Weitere Informationen unter:

www.aip.de

www.uni-potsdam.de