Direkt zum InhaltDirekt zur NavigationDirekt zum Kalender

Forschungspartnerschaften stärken für Innovation und nachhaltige Entwicklung

Logo

Event calendar for the month: Mai 2017

[Previous Month]
[Next Month]

Botschafterin des Wissenschaftsjahres

Science Network

27.02.2013

Interview mit Minister Derek Hanekom

Minister Derek Hanekom
Minister Derek Hanekom - (c) DST

Derek Hanekom ist seit Oktober 2012 südafrikanischer Minister für Wissenschaft und Technologie; zuvor wirkte er bereits als stellvertretender Wissenschaftsminister. Die Förderung der Partnerschaft auf den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Innovation zwischen Südafrika und der Europäischen Union hat sich Minister Hanekom schon seit langem zur Aufgabe gemacht. Das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013 hat für ihn eine ganz besondere Bedeutung. Wie Minister Hanekom die Kooperation zwischen den Partnerländern einschätzt und welche zukünftigen Herausforderungen er ausmacht, lesen Sie in unserem Interview.

1.    Herr Minister, wo liegt Ihrer Meinung nach der größte Vorteil, aber auch die größte Herausforderung der bilateralen Kooperation im Bereich Wissenschaft, z. B. im Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft 2012/2013?
   
Für Südafrika ist Deutschland in vielen Bereichen ein wichtiger strategischer Partner. Unsere Kooperation beruht auf intensiven Beziehungen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Welch großen Wert diese Zusammenarbeit hat, das zeigen auch die Ziele, die sich das Jahr der Wissenschaft gesetzt hat, nämlich die bestehende Kooperation voranzutreiben und zu präsentieren, neue Partnerschaften zwischen südafrikanischen und deutschen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Organisationen ins Leben zu rufen, die institutionelle Zusammenarbeit zu vertiefen, bei den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern beider Länder das Interesse für die Zusammenarbeit zu wecken sowie Südafrika und Deutschland als wichtige Standorte für Innovation stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass wir diese Ziele erreichen. Und wenn ich mir die Projekte anschaue, die im vergangenen Jahr an den Start gegangen sind, bin ich überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Der Austausch zwischen den Forschern im Jahr der Wissenschaft hat auf jeden Fall die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beleuchtet. Für die Dauer des Jahrs der Wissenschaft sind 41 Initiativen finanziert worden. Durch diese ist die Interaktion zwischen Forschungseinrichtungen in beiden Ländern vereinfacht worden: Das gebündelte Fachwissen wurde in großem Umfang genutzt, und für die Studierenden haben sich zahlreiche Kontakte ergeben. Ich hoffe, dass sich aus den Begegnungen eine Plattform für eine weitere gezielte Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erschließt. Der größte Vorteil muss noch erzielt werden, und zwar durch eine verstärkte Teilnahme an den zukünftigen Projektanträgen und durch die generelle Kooperationsbetreuung. Wir brauchen nicht nur eine bilaterale und regionale Zusammenarbeit; beide Länder müssen zudem an Rahmenprogrammen der EU teilnehmen. Das wird ausschlaggebend sein.

Außerdem möchten wir die Zusammenarbeit mit Deutschland auf den unterschiedlichsten Gebieten vertiefen. Unter strategischen Aspekten müssen wir jedoch auch Nischenbereiche für unsere Zusammenarbeit erschließen. Aufgrund dieser Tatsachen bin ich der festen Überzeugung, dass es keine Herausforderung gibt, die wir nicht bewältigen können.


2.    Welche Vorteile ergeben sich Ihrer Meinung nach aus der verstärkten Zusammenarbeit für Südafrika und für Deutschland?

Uns bieten sich ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Herausforderungen, die die Menschheit zu lösen hat, kennen keine Grenzen. Sie müssen in gemeinsamer Arbeit von Gleichgesinnten angegangen werden. Es kann nur von Vorteil sein, sie gemeinsam anzugehen. Wie Sie sicher wissen, hat man sich darauf geeinigt, dass in Südafrika der größte Teil der Satellitenschüsseln des SKA aufgestellt werden soll, und jetzt, da Deutschland auch Mitglied in der SKA-Organisation ist, entstehen Synergieeffekte, die erheblich zum Erfolg des Projekts beitragen werden.

Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie hat außerdem Anfang Januar 2013 mit Deutschland eine Antarktisinspektion durchgeführt. Diese Inspektion kam Südafrika sehr gelegen, da das Land bislang noch keine solche Inspektion, die nach Artikel VII des Antarktisvertrags vorgesehen ist, durchgeführt hatte. Diese Inspektion war ein bedeutsames Erlebnis, da sie zusammen mit Deutschland als Partner und im Jahr der Wissenschaft durchgeführt wurde.

Auch was unsere beiden Kontinente anbelangt, bieten sich Südafrika und Deutschland Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Das Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Use, das eine gemeinsame Initiative von Deutschland und fünf Ländern Afrikas (Südafrika, Namibia, Angola, Sambia und Botswana) darstellt, wurde durch Unterzeichnung der Absichtserklärung im April 2012 konkretisiert. Dadurch ist es zu einer der Leitinitiativen im Kampf gegen den Klimawandel geworden.
 

3.    Deutschland und Südafrika arbeiten seit 1996 in den Bereichen Wissenschaft und Technologie eng zusammen. Was hat sich Ihrer Meinung nach aufgrund der verstärkten Zusammenarbeit in den vergangenen zwölf Monaten geändert und/oder verbessert?
           
Durch das Jahr der Wissenschaft konnten wir unsere Zusammenarbeit weiter vertiefen. Ein Bildband, der zurzeit erstellt wird, illustriert unsere Zusammenarbeit in den vergangenen 16 Jahren. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der Bildband zu einer breiteren Unterstützung unserer Zusammenarbeit in der Öffentlichkeit führen sowie den Dialog und das Verständnis zwischen unseren Ländern stärken wird. Und davon profitieren die Menschen in beiden Ländern. Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nicht auf bedeutende und merkliche Änderungen schließen. Änderungen werden aber nicht ausbleiben, insbesondere, wenn die angebotenen Projekte und die Möglichkeiten, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben, stärker in Anspruch genommen werden. Ich hoffe, dass sich aus den hervorragenden Projekten und Programmen, die beide Länder aufgelegt haben, auch für Institutionen in unseren beiden Ländern Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. Zudem bin ich der festen Überzeugung, dass der Austausch von Studierenden dem Wissenschafts- und Technologiesystem in beiden Ländern zugute kommt.


4.    Südafrika ist ein Land, das reich an natürlichen Ressourcen ist. Wissen jedoch ist eine wichtige – wenn nicht sogar die wichtigste – Ressource der Zukunft. Erklärtes Ziel Ihres Ministeriums ist es, den Wandel von einer ressourcenbasierten Wirtschaft zu einer wissensbasierten Wirtschaft zu vollziehen. Welche Rolle spielt das Jahr der Wissenschaft in diesen Bemühungen?

Natürliche Ressourcen sind nicht unerschöpflich, aber das gesammelte Wissen unserer Völker steht uns auch in der Zukunft zur Verfügung. Das Jahr der Wissenschaft und der interaktive Charakter der Veranstaltungen machen es den Menschen möglich, sich auszutauschen und Möglichkeiten der Wissensverwertung auszuloten. Ganz sicher bringt uns das Jahr der Wissenschaft unserem Ziel, den Wandel zu einer wissensbasierten Wirtschaft zu vollziehen, näher. Eine weitere Tatsache, der wir uns nicht verschließen dürfen, ist die, dass Wissenschaft international ist und Wissen in einer globalisierten Welt keine Grenzen kennt.  

Die Welt steht vor zahlreichen Herausforderungen. Klimawandel, Energiesicherheit und Lebensmittelsicherheit sind nur einige wenige. Im Mittelpunkt des Jahrs der Wissenschaft steht angesichts der verschiedenen thematischen Bereiche eine umfassende Diskussion über diese Herausforderungen. Auf nationaler Ebene handelt es sich dabei um einige der Herausforderungen, die wir durch Zusammenarbeit in Netzwerken lösen müssen. Was den Wechsel zu einer wissensbasierten Wirtschaft anbelangt, eröffnen unsere bilateralen Partnerschaften uns Möglichkeiten zum Aufbau von Kapazitäten und zur Entwicklung von Humankapital.


5.    Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen könnten: Wie stellen Sie sich die deutsch-südafrikanischen Beziehungen in zehn Jahren vor?
   
Die Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern muss der Anker unserer Wissenschaftsdiplomatie sein. Dadurch, dass unsere Zusammenarbeit bereits über eine bilaterale Ausrichtung hinausgeht, wird eine Vision von Kooperation erfüllt, die unsere gemeinsamen wissenschaftlichen Bemühungen verstärkt. In diesem Zusammenhang sei noch einmal erwähnt, dass das SASSCAL eine gemeinsame Initiative der Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia, Südafrika und Deutschland ist, deren Ziel es ist, eine Antwort auf die mit den globalen Veränderungen einhergehenden Herausforderungen zu finden. Das regionale Ausmaß dieser Initiative macht deutlich, dass sich unsere Kooperation ständig weiterentwickelt und als Katalysator für Regionalentwicklung fungieren kann. 


6.    Welches war Ihr persönliches Highlight im Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft 2012/2013?

Die gesamte Veranstaltung war für mich ein Highlight. Drei Dinge jedoch finde ich besonders wichtig: Die Einbindung von Studierenden in die Veranstaltung wird große Auswirkungen darauf haben, dass sich die jungen Leute wieder mehr für Berufe in der Wissenschaft interessieren. Das zweite Highlight ist für mich die Mitwirkung von Frauen in der Wissenschaft, da Frauen in unseren Gesellschaften und in der Welt der Forschung eine wichtige Rolle spielen. Und zuletzt seien da die bei der Eröffnungssitzung des Astronomie-Symposiums angestellten Überlegungen erwähnt, in denen die Bedeutung der Astronomie hervorgehoben wurde, und das verheißt Gutes hinsichtlich unserer Position als einer der Hauptbeteiligten am SKA-Projekt. Dadurch, dass Deutschland ausgerechnet im Jahr der Wissenschaft seine Mitgliedschaft in der SKA-Organisation angekündigt hat, wurde ein starkes Signal für unsere Partnerschaft gesendet. Ich glaube ganz fest, dass die Kooperation sich für unsere beiden Länder in Zukunft als vorteilhaft erweisen wird.