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Forschungspartnerschaften stärken für Innovation und nachhaltige Entwicklung

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12.04.2013

Interview mit den Gewinnern des ACCTA "Year of Science Awards"

Zwei Porträtfotos
Die Gewinner Yared Assefa Abebe (links) von der Leibniz Universität Hannover und Suvash Chandra Paul von der Stellenbosch University // Fotomontage

Auf der Konferenz ACCTA 2013 „Advances in Cement and Concrete Technologies in Africa" wurde im Rahmen einer Sondersitzung der "Year of Science Award" für herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern im Bereich der Zement- und Betontechnologie verliehen. Gewonnen haben Yared Assefa Abebe von der Leibniz Universität Hannover und Suvash Chandra Paul von der Universität Stellenbosch, beide freuen sich über ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt im jeweiligen Partnerland.

Mit welchen Forschungsfeldern sich die Wissenschaftler beschäftigen und wie sie die deutsch-südafrikanische Kooperation beurteilen, lesen Sie in unserem Interview mit den Preisträgern.

Welchen thematischen Schwerpunkt haben Ihre Forschungen?

Yared Assefa Abebe/ Leibniz Universität Hannover

Schwerpunkt meiner Doktorarbeit ist die Erarbeitung von Betonkonzepten für sehr hohe bzw. lange Bauwerke wie Solarkamine oder Tunnel, die in ariden und semiariden Regionen errichtet werden. Die gewaltigen Abmessungen dieser Bauwerke und die in der Regel schwierigen Bedingungen in den meisten ariden und semiariden Regionen erfordern ein anspruchsvolle Bautechnik und vor allem ein maßgeschneidertes Betonkonzept. In diesen Regionen sind normalerweise die Umgebungstemperaturen höher. Moderne Bauverfahren werden kaum angewandt, es fehlt an speziellen industriellen Baumaterialien, und die Bedingungen auf Baustellen sind suboptimal. Die Erarbeitung eines maßgeschneiderten Betonkonzepts, das auf die technischen Anforderungen und die Bedingungen vor Ort abgestimmt ist, ist demnach von wesentlicher Bedeutung, wenn es darum geht, in diesen Regionen für eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung zu sorgen.

Suvash Chandra Paul/ Universität Stellenbosch

Das Hauptthema meiner Arbeit ist die Dauerhaftigkeit von Betonstrukturen. Die Dauerhaftigkeit von Beton ist hauptsächlich eine Frage der Transporteigenschaften des Betons, also der Diffusionsfähigkeit, der Durchlässigkeit und der Sorptionsfähigkeit, auf die die Korrosion der Stahlverstärkung im Beton zurückzuführen ist. Setzt die Korrosion in den Bewehrungsstäben ein, wird dadurch die Lebensdauer einer Betonstruktur erheblich verkürzt. Betonstrukturen in Entwicklungs- und Industrieländern weltweit sind Korrosion ausgesetzt. Also werden hohe Summen für Reparaturen ausgegeben. Schwerpunktmäßig befasst sich die Forschungsarbeit mit der Einführung einer neuen Betonart namens „Strain-hardening cement-based composite“ (SHCC). Das ist ein dehnungsverfestigendes zementgebundenes Material, das die Wirkung der Transporteigenschaften des Betons verzögert. Die verbesserte Dauerhaftigkeit soll die Lebensdauer von Betonstrukturen verlängern und somit Reparatur- und Wartungskosten verringern.

Wie beurteilen Sie die Kooperation Deutschlands und Südafrikas?

Yared Assefa Abebe/ Leibniz Universität Hannover

Die Bedeutung der deutschen Unterstützung der Entwicklungsbemühungen in Afrika, insbesondere in den Ländern südlich der Sahara, die eine breitgefächerte Kooperation in den Bereichen Technik, Bildung, Gesundheit, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und verantwortliches Regierungshandeln umfasst, kann nicht genug hervorgehoben werden. Die Kooperation zwischen Deutschland und Südafrika, insbesondere auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung und technologischer Innovationen, ist hervorragend und könnte als Modell für andere Länder Afrikas dienen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Ergebnisse dieser Kooperation nicht nur den beiden Ländern zugutekommen, sondern allen Ländern südlich der Sahara dabei helfen könnten, einige der dringenden Probleme unserer Zeit zu lösen.

Suvash Chandra Paul/ Universität Stellenbosch

Die moderne Zivilisation und der Fortschritt sind nahezu vollständig von Entwicklungen auf den Gebieten der Naturwissenschaft, der Ingenieurswissenschaft und der Technik abhängig, die aufgrund von Innovationen sowie neuen Ideen und Fähigkeiten ständigem Wandel unterliegen. Das bedeutet, dass es, unabhängig davon, ob ein Land ein Industrie- oder Entwicklungsland ist, nicht möglich ist, vorhandenes Wissen voranzubringen, ohne dass eine Zusammenarbeit mit denjenigen stattfindet, die bereits einen Schritt weiter sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Initiative eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Austausch von Wissenschaft und Technologie zwischen diesen beiden Ländern, wodurch auch ein positives Signal an die ganze Gesellschaft gesendet wird.

Welche Vorstellungen haben Sie von Ihrem Forschungsaufenthalt?

Yared Assefa Abebe/ Leibniz Universität Hannover

Meine Hoffnung besteht darin, dass ich während meines Aufenthalts in Südafrika die Gelegenheit habe, die Anwendbarkeit einiger Konzepte meiner Forschungsarbeit unter den realen Bedingungen Afrikas zu testen. Ich freue mich darauf, neue Kenntnisse und Erfahrungen mit meinen zukünftigen Kollegen und Kolleginnen und möglicherweise den Studierenden an der Universität Witwatersrand auszutauschen. Außerdem freue ich mich sehr, dieses wunderschöne Land und seine Leute sowie ihre reiche Geschichte und Kultur kennenzulernen.

Suvash Chandra Paul/ Universität Stellenbosch

Einer der Schwerpunkte meiner Forschungsarbeit ist die Beobachtung des Dauerhaftigkeitsverhaltens von Betonstrukturen nach Rissbildungen. Die künftige Modellierung muss eine Verbindung zwischen nicht gerissenen Betonstrukturen und einer gerissenen Struktur herstellen. Dies wird Designern dabei helfen, die ungefähre Zeitdauer für eine spezifische Struktur zwischen diesen beiden Phasen vorherzusagen. Auf diese Weise kann die gesamte Lebensdauer von Betonstrukturen noch vor dem Bau vorausberechnet werden. Was die Erwartungen an meine Forschungsarbeit anbelangt, wird davon ausgegangen, dass Langzeitstudien zu neuen Materialarten wie SHCC durchgeführt werden müssen, bevor Designrichtlinien erarbeitet werden können. Zielsetzungen meiner Arbeit sind:

  • Herstellen einer Verbindung zwischen Riss- und Korrosionsrate in SHCC
  • Vergleich des Dauerhaftigkeitsverhaltens von SHCC mit Feinsand und lokalem Grobsand einschließlich Mörtelbeton
  • Bereitstellen umfassender Informationen für die künftige Modellierung der Korrosion für Strukturen aus SHCC
  • Fördern der Verwendung von SHCC für wichtige Strukturen

Welche Hoffnungen knüpfen Sie an die Forschungsmöglichkeiten im jeweiligen Partnerland?

Yared Assefa Abebe/ Leibniz Universität Hannover

In den Bereichen der wissenschaftlichen Forschung sehe ich großes Potenzial für beide Länder, wenn sie sich weiterhin in gemeinsamen Forschungsprojekten engagieren. Diese Zusammenarbeit würde ebenfalls neue Möglichkeiten eröffnen, die ansonsten ungenutzt bleiben. Obwohl es in Südafrika sehr gute Forschungseinrichtungen und Universitäten gibt, kann das Land von den hervorragenden Technologien Deutschlands profitieren. Außerdem wären die gut entwickelten Volkswirtschaften Europas ein großer Markt für innovative Produkte aus Südafrika. Deutschland im Gegenzug benötigt neue Materialressourcen, um seinen Wettbewerbsvorsprung bei der Ausfuhr von Industrieprodukten zu erhalten. Zu diesem Zweck könnten die reiche Rohstoffquelle in Afrika unter Nutzung innovativer Technologien nachhaltig erschlossen werden. Durch eine Ausweitung der bestehenden Zusammenarbeit bei wissenschaftlichen Forschungsprojekten könnten diese gemeinsamen Ziele effektiv verfolgt und erreicht werden.

Darüber hinaus stehen beide Länder als größte Volkswirtschaft auf ihrem Kontinent in der Verantwortung, was die Bewältigung der kritischen soziopolitischen, wirtschaftlichen und umweltpolitischen Herausforderungen in ihren jeweiligen Regionen anbelangt. Diesbezüglich spielen innovative Lösungen solcher Forschungsprojekte eine wichtige Rolle. Ich habe die Hoffnung, dass führende Universitäten in Südafrika  die Initiative ergreifen, die wissenschaftliche Forschung in Afrika voranzutreiben, indem sie bilaterale oder multilaterale Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen in anderen Ländern  einrichten. Wie immer würde eine Beteiligung von deutscher Seite bei solchen Unterfangen bedeutungsvoll sein.

Suvash Chandra Paul/ Universität Stellenbosch

Dass ich neue Forschungsmethoden kennenlerne, den Umgang mit nicht vertrauten Instrumenten erlerne und mit anderen Wissen austausche. Das enorme Wissen, das wir uns im Rahmen dieser Partnerschaft aneignen, wird mir bei meiner Arbeit für mein Land und die Ingenieurswelt insgesamt zugutekommen. 

Wie haben Sie das Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr erlebt?

Yared Assefa Abebe/ Leibniz Universität Hannover

Besonders interessant fand ich die spezielle Sitzung zum Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft auf der ACCTA 2013-Konferenz, auf der die Nominierten für den Preis für Nachwuchsforscher ihre Forschungsarbeiten vorstellen konnten. Ich bin sehr froh, dass wir im Rahmen der Initiative an der Konferenz teilnehmen konnten und das Jahr der Wissenschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in den Bereichen Zement und Beton in Afrika beigetragen hat. So hatte ich die Gelegenheit, mit vielen Experten, die in diesen Bereichen tätig sind, ins Gespräch zu kommen und Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Ich habe meinen Aufenthalt in Johannesburg sehr genossen undfreue mich auch darauf wieder  dort zu sein.

Suvash Chandra Paul/ Universität Stellenbosch

Es war großartig, so viele Menschen aus anderen Ländern zu treffen und von ihnen in neue Techniken und Kenntnisse eingeführt zu werden. Ich denke, dass wir ein starkes Netzwerk aus erfahrenen Leuten aus den verschiedensten Bereichen aufgebaut haben und dieses großen positiven Einfluss auf die berufliche Laufbahn aller haben wird.