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Forschungspartnerschaften stärken für Innovation und nachhaltige Entwicklung

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Botschafterin des Wissenschaftsjahres

Science Network

23.11.2012

Interview mit Cay Etzold vom DAAD

Cay Etzold
Cay Etzold

Cay Etzold ist Referatsleiter für das Östliche und Südliche Afrika beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Zuvor war er dort bereits als Leiter der Alumni- und Partnerschaftsprogramme beschäftigt.

1. Wie engagiert sich der DAAD in Südafrika und welche Bedeutung hat das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013 in diesem Kontext?

Südafrika ist für den DAAD ein Schwerpunktland im südlichen Afrika. Insbesondere deutsche Studierende, Graduierte und Wissenschaftler nutzen gern die vielfältigen Forschungsmöglichkeiten vor Ort. Der DAAD ist seit mehreren Jahrzehnten in Südafrika tätig und hat bereits vor Ende der Apartheid Stipendien an Südafrikaner aller Hautfarben vergeben. In den letzten zehn Jahren hat sich der Austausch stetig erhöht.
Das Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr macht einmal mehr deutlich, welche Möglichkeiten für den akademischen Austausch bestehen und gibt eine Reihe von interessanten Beispielen vor, die sicherlich in der einen oder anderen Art und Weise nachahmenswert sein können. Insofern erhoffe ich mir persönlich auch neue Impulse für die deutsch-südafrikanische Wissenschaftskooperation.

Und welche DAAD-Aktivitäten finden in diesem Kontext statt?

Der DAAD beteiligte und beteiligt sich an dem Wissenschaftsjahr mit vielfältigen Initiativen, wie einem großen gemeinsam mit der AvH durchgeführten Alumniseminar zum Auftakt, über eine Serie öffentlicher Vorlesungen zu ausgewählten Forschungsthemen bis hin zu Webinaren über das südafrikanische Hochschulsystem, um nur einige Beispiele aufzuzählen.

2. Wie sehen die vom DAAD geförderten Forschungsaustausche und Hochschulkooperationen zwischen Deutschland und Südafrika konkret aus?

Deutsche Wissenschaftler und Studierende schätzen die Forschungsmöglichkeiten vor Ort. Daher geht derzeit der Austausch stärker Richtung Südafrika. Konkret wurden im vergangenen Jahr 395 Deutsche und 205 Südafrikaner neu gefördert. Insgesamt befanden sich im Jahre 2011 aber 465 Deutsche und 421 Südafrikaner in der Förderung, da hier auch langfristige Förderungen südafrikanischer Master- bzw. PhD-Stipendiaten berücksichtigt sind.
Die heute sehr erfolgreiche Kooperation mit der NRF (National Research Foundation) wurde in den letzten Jahren ausgeweitet. Der DAAD hat gemeinsam mit der NRF Ende letzten Jahres die Raten angepasst, so dass das gemeinsame Stipendienprogramm für Master- und PhD-Kurse sicherlich an Attraktivität gewonnen hat.
Besonders freut mich, dass eine Zunahme des Austausches in den DAAD-geförderten Projekten erkennbar ist. Das zeigt deutlich, dass Südafrika ein begehrtes Land für Hochschulkooperationen ist. Der DAAD fördert 24 solcher Hochschulkooperationen und Fachzentren in ganz unterschiedlichen Programmen. Darunter sind sechs Forschungskooperationen in dem neuen BMBF-geförderten Programm "Welcome to Africa", in dem es im Rahmen von nachhaltiger Forschungszusammenarbeit mit afrikanischen Partnern auch um die Förderung der Afrikakompetenz des deutschen wissenschaftlichen Nachwuchses geht.

3. Im Kontext des Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahres ist das Thema „Nachhaltigkeit“ von besonderer Bedeutung. Wie tragen Ihrer Einschätzung nach Forschungsstipendien zu nachhaltigen Entwicklungen in der Forschungslandschaft bei?

Beim oben genannten Programm "Welcome to Africa" geht es auch um den Auf- und Ausbau nachhaltiger Forschungsstrukturen. Diese können jedoch nur geschaffen werden, wenn qualifizierte Fachkräfte und Wissenschaftler zur Verfügung stehen.
Forschungsstipendien sind meines Erachtens ein sehr gutes und nicht zu vernachlässigendes Instrument, diese heranzubilden. Forscher entstehen nicht über Nacht und im kleinen Kämmerlein, sondern sie müssen sich sukzessiv ihr Forschungsfeld erarbeiten, sich dazu austauschen und neue Erkenntnisse berücksichtigen. Gerade für diesen ständigen und nachhaltigen Austausch sind Stipendien notwendig.

4. Sie waren zuvor Leiter der Alumni- und Partnerschaftsprogramme des DAAD. Welche Bedeutungen haben Ihrer Meinung nach diese Netzwerke insbesondere für den Standort Südafrika?

Der DAAD hat gemeinsam mit der AvH zum Auftakt des Wissenschaftsjahres ein großes Alumnitreffen durchgeführt. Das Thema "Higher Education and Research Transformation in South Africa and Germany" machte die Herausforderungen in Südafrika und Deutschland deutlich, zu denen die Alumni einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten können. Sie sind in ihrem Heimatland etabliert, Teil vielfältiger Netzwerke und haben teilweise Kontakt zu ihren deutschen Partnern aufrechterhalten. Diese aufzufrischen und für neue Kooperationen zu nutzen spricht für sich.
Südafrika hat im letzten Jahrzehnt durch Transformation etc. vielfältige Änderungen im Hochschulsektor erfahren, auch in Deutschland gab und gibt es durch den Bologna-Prozess und den Exzellenzwettbewerb vielfältige Erfahrungen zu vermitteln. Gerade dieser gegenseitige Erfahrungsaustausch spielt für Netzwerke eine enorme Rolle und ist Garant für weiterführende Forschungskooperationen.

5. Was würden Sie persönlich interessierten Studierenden und Wissenschaftlern raten, die an einem Forschungsaustausch mit Südafrika interessiert sind? Welche Erfahrungen ermöglicht diese Art der bilateralen Kooperation?

Zunächst einmal muss man offen sein für neue Herausforderungen. Das gilt sicherlich nicht nur für Südafrika, aber gerade dort scheint mir ganz besonders wichtig zu sein, genauer hinzusehen, vor welchen Herausforderungen dieses Land steht. Und aus persönlicher Erfahrung scheint mir wichtig, sich im Vorfeld ein wenig mit der jüngeren Geschichte zu beschäftigen. Dadurch wird vielleicht verständlich, welche enorme Last auf den Schultern der Wissenschaftler, Dozenten, Lehrkräften für die Heranbildung künftiger Generationen liegt. Besonders wichtig scheint mir, hier von Anfang an Studierende, Graduierte auch aus Südafrika zu ermuntern, einmal nach Deutschland zu kommen, um so möglicherweise einen neuen Blick auf ihr eigenes Land zu erhalten.