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24.10.2012

“Green Talents 2012” – die Gewinner stehen fest: Ein Interview mit Raymond Siebrits

Raymond Siebrits
(c) Raymond Siebrits

Die Gewinner des vierten "Green Talents"-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der seit 2009 jährlich unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Annette Schavan stattfindet und sich an Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung richtet, stehen fest.

Einer der Preisträger ist der gebürtige Südafrikaner Raymond Siebrits. Er ist 25 Jahre alt und studiert in Kapstadt den Masterstudiengang ‘‘Environmental and Geographical Science‘‘. Siebrits forscht in den Bereichen Wasserwirtschaft und Gewässerforschung. Über seinen Forschungsbereich und seine persönlichen Ziele spricht Raymond Siebrits in unserem Interview.

 

1. Was genau ist Ihr Forschungsbereich und was fasziniert Sie daran?

Ich versuche die Wasserforschung in meiner Heimat zu verstehen – wie sie sich entwickelt, wie der momentane Stand der Wissenschaft ist und wie sie sich in Zukunft entwickeln wird. Das Faszinierende an Wasser ist, dass es ein fächerübergreifender Forschungsbereich ist, bei dem es oftmals zu gegensätzlichen Abhängigkeiten innerhalb der Disziplin kommt, ganz besonders in einer ungerechten Industriewirtschaft.

 

2. Sie sind einer der Gewinner des diesjährigen "Green Talents 2012"-Wettbewerbs. Wie sind Sie auf das Format aufmerksam geworden? Gibt es spezielle Kooperationen zwischen Ihrer Universität und dem BMBF?

Auf die Aufforderung zur Antragstellung bin ich durch eine Mitteilung der Initiative: “The Green Campus“ von unserer Universität aufmerksam geworden. Die Universität Kapstadt kooperiert mit dem BMBF, vor allem was Förderprogramme und Austauschmöglichkeiten betrifft. Es ist das erste Mal, dass ich mich an solch einem Programm beteiligt habe.

 

3.  Was bedeutet die Auszeichnung für Sie persönlich und was versprechen Sie sich von der Einladung nach Deutschland hinsichtlich Ihres Forschungsinteresses?

Der Award ist ein Privileg und eine unglaubliche Chance. Ich konnte es zunächst gar nicht glauben, dass ich ausgewählt wurde und musste noch einmal nachschauen, was ich in meiner Anmeldung tatsächlich geschrieben habe. Ich persönlich sehe es als einen starken Vertrauensbeweis in die Forschung, mit der ich mich befasse und bin entschlossen, diese Gelegenheit zu nutzen, um einen Beitrag zur Forschung in Südafrika zu leisten. Ich freue mich schon auf meinen Aufenthalt in Deutschland, darauf einige der Top-Denker und Praktiker im Bereich des Nachhaltigkeits- und Forschungsmanagements treffen zu können. Ich kann es kaum erwarten, einen Einblick in das deutsche Forschungssystem zu gewinnen und hoffe, einige dieser Perspektiven und Eindrücke auch zu Hause anwenden zu können.

 

4. Sie sind Student an der Universität Kapstadt. Wie beurteilen Sie die Studien- und Forschungssituation vor Ort – wo können Europa und Afrika voneinander lernen?

Ich bin davon überzeugt, dass die Universität Kapstadt die beste auf dem afrikanischen Kontinent ist. Nicht nur aufgrund der globalen Rankings, sondern auch, weil die Universität sich bis zu einem gewissen Grad sozial und wissenschaftlich unabhängig gegenüber Staat und System gezeigt hat. Ich denke, dass dies zusammen mit der Beschaffenheit des schönsten Campus der Welt der Grund dafür ist, dass sich sowohl einzelne Forscher als auch ganze (Forschungs-)Teams angezogen fühlen. Die Universität Kapstadt ist die führende akademische Einrichtung des 21. Jahrhunderts in Afrika, weil sie Partnerschaften mit anderen Regionen und Bereichen unterhält.

Ich denke, dass sich die europäische Forschungs- und Ausbildungssituation aufgrund der allgemeinen gesellschaftlichen Herausforderungen, dem kulturellen Kontext und dem Zugang zu Ressourcen, die genutzt werden können, drastisch unterscheidet. Europa könnte vermutlich eine Menge von Afrika lernen, über Ressourcenmaximierung und große Herausforderungen in Afrika, während Afrika etwas über den Stellenwert der Forschung im Bezug auf das Wirtschaftswachstum, die allgemeine Entwicklung, die gesellschaftliche Stabilität und das Lösen von Problemen lernen könnte und diesem letztlich mehr Gewicht beimessen könnte.


5. Sie haben bereits an Ihrer Universität in Kapstadt Seminare wie beispielsweise ‘‘Water Research Challenges in South Africa“ organisiert. Was glauben Sie sind die Herausforderungen, vor denen speziell Südafrika steht?

Eine der größten Herausforderungen, der wir uns stellen müssen, ist, dass es in vielen Bereichen nur begrenzt wegweisende oder Spitzenforschung gegeben hat. Viele Mittel wurden gezielt dafür eingesetzt, um marode Systeme zu reparieren oder Politik und Regierung zu bestechen anstatt nach zukünftigen Gefahren und Möglichkeiten zu suchen. Ein von uns im Oktober durchgeführter Spezialisten-Workshop wird dieses Problem hoffentlich verdeutlichen und den strategischen Forschungsplan in Südafrika in Zukunft als gängige Praxis etablieren.

 

6. Sowohl beim "Green Talents 2012" -Wettbewerb als auch beim Deutsch-Südafrikanischen Jahr der Wissenschaft 2012/2013 spielen internationale Kooperationen eine wichtige Rolle. Was bedeuten Forschungsaustausch und Hochschulkooperationen für Sie?

Beide, die "Green Talents 2012" und das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaften 2012/2013, unterstreichen die Bedeutung internationaler Kooperationen. Ich habe mich persönlich mit den Pionieren meiner Forschungsmethode zusammengetan und teile meine Ideen mit ihnen, während sie mir mit unbezahlbarem Rat zur Seite stehen.

Ich glaube, dass diese Zusammenarbeit und das Ineinandergreifen nur in klaren und integrativen Arbeitsumfeldern möglich sind. Ich hoffe, dass es durch das Programm "Green Talents“ und das Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013 zu mehr internationalen Kooperationen kommen wird, gerade unter jungen Wissenschaftlern.

Weitere Informationen zu laufenden Forschungen von Herrn Siebrits mit Daten, Ergebnissen, Updates, Berichten und einem Forum für Feedback und Diskussionen finden Sie unter:  www.aquaduct.org.za